Anfangs war Sicherung beim alpinen Klettern umständlich; das Seil wurde um die Brust verknotet und bei einem (Ring-)Haken ausgebunden, durchgefädelt und wieder umgebunden. Dann entwickelte Hans Fiechtl (1884-1925), der sogar beim Klettern seine Pfeife nicht aus dem Mund nahm, den „Fiechtlhaken“, der aus einem Stück geschmiedet war und eine feste Öse hatte – zuverlässiger als der geschweißte Ring des Ringhakens. Als Otto Herzog (1888-1946) dann noch bei der Feuerwehr Karabiner beobachtete und erstmals 1910 bei einem Versuch in der Fleischbank-Ostwand einsetzte, war das Einhängen einer Zwischensicherung schneller und sicherer geworden. Diese Innovationen von Herzog und Fiechtl legten den Grundstein für die „Münchner Schule“, deren Protagonisten mit Hakensicherung schwerste Wände erschlossen; an der Schüsselkarspitze waren die beiden gemeinsam unterwegs.
Bei der Nordwand der Laliderer Spitze hatte Herzog 1911 kein Wetterglück; Trostpflaster waren die heute klassisch-berühmte „Herzogkante“ (V+) am gleichen Berg, gemeinsam mit seinen Geschwistern Paula und Christian, und der „Rambokamin“ (V-) solo rauf und runter. Eine Woche später gelang Angelo Dibona als Führer der Wiener Gebrüder Mayer die Erstbegehung der Nordwand.
Herzogs „Ramboquergang“ im Münchner Traditions-Bouldergebiet Buchenhain gilt heute als VIII-; als einstiger Kunstturner beherrschte er Riesenfelge und Salto, bevorzugte aber das Klettern: „Kunstturnen, das war zwar nicht übel, aber diese Berge, diese grauen Wände … hier wohnte das Abenteuer. Und die Romantik. … Was ist das Reck gegen diese Grate, was ein Riesenschwung gegen so eine Kletterei. Dort fliegst du höchstens auf die Matte, in den Bergen hunderte von Metern durch die Luft ins Geröll.“
Trotz eines Handgelenk-Durchschusses im Krieg, wodurch drei Finger fast unbrauchbar waren, kletterte Herzog an der „HaHe-Verschneidung“ an der Dreizinkenspitze zusammen mit Gustav Haber schon 1922 in den sechsten Grad hinein – allerdings ist nicht ganz klar, wie sie die schwierige und kaum sicherbare Schlüsselstelle im oberen Wandteil wirklich überwunden haben. Bei einem Vorversuch hatte er aus der vernebelten Wand unterhalb vorbeiziehenden Wanderern in hohlem Ton zugerufen „Mensch – Mensch, deine Seele!“ – und als langer Regen die Erstbegehung so lange verzögerte, dass er keinen Urlaub mehr hatte, musste er „seine Großmutter, die schon längst der kühle Rasen deckte, krankwerden und nochmals sterben lassen“, wie Haber schreibt. Für ihre Versuche hatten die beiden gemeinsam ein System mit zwei durch eine Stahlfeder verbundenen Karabinern zur „dynamischen Sicherung“ entwickelt – ein weiteres Beispiel für Herzogs Kreativität, neben angeblich 178 Erstbegehungen.


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