„Des Kaisers neue Kleider“ von Stefan Glowacz (* 1965) ist Teil der „Alpinen Trilogie“: So wie die „Drei großen Nordwände“ (Eiger, Matterhorn, Grandes Jorasses) unabhängig voneinander erstbegangen wurden (und in verschiedenen Jahren), aber als Ensemble ein Ziel für ambitionierte Alpinisten bilden, ist die „Alpine Trilogie“ ein Kletter-Hattrick für die Elite. 1994 entstanden parallel, aber unabhängig drei anspruchsvolle Mehrseillängenrouten mit Schwierigkeiten bis 8b+. Glowacz musste mehrere Dutzend Mal vom Werdenfels in den Wilden Kaiser fahren, bis „Des Kaisers neue Kleider“ am Fleischbankpfeiler fertig geschneidert waren.

Beat Kammerlander bewies seine berüchtigte Nervenstärke mit spannenden Runouts in „Silbergeier“ an der Vierten Kirchlispitze im Rätikon. Und Thomas Huber schlug für seine ebenfalls anspruchsvoll gesicherte „End of Silence“ am Feuerhorn in den Berchtesgadener Alpen sogar eine Bewertung von 8c vor, wegen der kumulierten Belastung durch mehrere schwere Seillängen; seine Route wird heute aber tendenziell eher als 8b gehandelt.

Die erste Komplettierung der „Trilogie“ schaffte Glowacz selber im Jahr 2001, Harry Berger zog 2005 nach. Nach Ondra Benes und Mark Amann war Barbara Zangerl (* 1988) im Jahr 2013 die fünfte Person und erste Frau, die die Trilogie klettern konnte, gleichzeitig die erste Frau in „Des Kaisers neue Kleider“, die sie als die athletischste der drei Routen charakterisiert. 2020 machten die starken Belgier Nico Favresse und Sébastien Berthe die wohl beeindruckendste Begehung der Trilogie: Sie stiegen von unten in jeweils nur einem Tag beide Rotpunkt durch die drei Routen und legten die Strecken dazwischen per Rad zurück; im Rad-Anhänger zwei Hunde und ein Flamingo-Schwimmring, der auch mal in die Wand mitdurfte. Als Bonus gaben sie sich bei dem Trip im gleichen Stil „Headless Children“ (260 m, 8b) im Rätikon und zum Abschluss radelten sie noch zum Eiger und kletterten in 18 Stunden „Odyssee“ (33 SL, 8a+).
Favresse war es auch, dem 2024 die erste komplett freie Begehung von „Riders on the storm“ (1200 m, IX+) am Paineturm gelang (mit Siebe Vanhee, Sean Villanueva und Drew Smith); 2016 hatten Ines Papert und Mayan Smith-Gobat nur ein paar Meter gefehlt. Für viele seiner Expeditionen, etwa nach Grönland oder Baffin Island, reisten Favresse und seine Freunde per Segelboot an; Seb Berthe segelte sogar in die USA für die vierte Begehung der „Dawn Wall“. Damit zeigen sie Flagge für Stil und Logistik „by fair means“ – ähnlich wie Glowacz es bei seinen neueren Unternehmungen tut.

Stefan Glowacz bei seiner Erstbegehung “Behind the Rainbow” am Mount Roraima / © Klaus Fengler
Stefan Glowacz bei einer Erstbegehung in Grönland / © Moritz Attenberger

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