Sepp Gschwendtner (* 1944) war einer der deutschen Akteure beim „Woodstock des Freikletterns“: Vom 1.-3. Mai 1981 hatte das Münchner Sporthaus Sport Scheck zum „Ersten internationalen Sportklettertreffen“ in Konstein eingeladen. Kletterer aus ganz Deutschland reisten trotz unstabilen Wetters an (ein Bierzelt bot Unterschlupf beim Regen), um Stars und Protagonisten der neuen Freikletterbewegung am Fels und bei einer Podiumsdiskussion zu erleben. John Bachar (USA), Ron Fawcett (GBR), Jean-Claude Droyer (FRA), Jürg von Känel (SUI), Heinz Mariacher (ITA) und Reinhard Schiestl (AUT) taten sich am Dohlenfels zusammen mit deutschen Pionieren wie Gschwendtner, Güllich und Andreas Kubin und zeigten ihre vertikale Kunst. Die Kletterer im Publikum waren inspiriert, und das Freiklettern bekam durch die Veranstaltung einen ungeheuren Schwung. Sogar der konservativ-zögerliche DAV beschloss 1984 auf einem Symposium „Bergsteigen heute – morgen“ in Brixen, das Sportklettern als eigenständige Disziplin anzuerkennen und zu unterstützen. Fritz März, Vorsitzender von 1980-1992, legte damit den Grundstein für Sportklettergruppen in Sektionen, für finanzielle Förderung und auch für Wettkämpfe, mit dem DAV als Mitglied des Deutschen Sportbundes.
John Bachar, der amerikanische Superstar, blieb nach dem Konsteiner Treffen einige Wochen in Deutschland und sicherte sich im Frankenjura die erste Begehung von „Chasin the train“ (IX) am Krottenseer Turm – mit 14 Versuchen, wobei er sich nach jedem Sturz zum Boden ablassen ließ und die Route wieder von unten anging; ein Ausbouldern aus dem Hängen (Hangdogging) war in den USA verpönt. Andererseits ließ er das Seil in den (vielen schlechten) Haken eingehängt, so dass er teilweise im Toprope stieg; dieser „Jojo“- oder „Rotkreis“-Stil war the american way. Wolfgang Güllich setzte anschließend zwei Bohrhaken und machte die erste Rotpunkt-Begehung – die Stilformen waren in der Frühzeit des Sportkletterns noch in Entwicklung.
Sepp Gschwendtner entwickelte das Sportklettern an der Spitze mit und hinterließ heute noch begehrte Marksteine im südlichen Frankenjura und in Kochel, das sich auch dank seiner Routen („Nagel mit Kopf“, „Wer ko der ko“) zu einem Kletter-Hotspot südlich Münchens entwickelte. Nach Beendigung seiner Kletter-Phase widmete er sich dem neuen Sport Gleitschirmfliegen und stellte als Pionier Streckenflugrekorde auf.

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