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  • Tödlicher Absturz einer Kletterin bei uns am Sonntag, den 05.10.2014 - Newsletter

    Sonntag, 12. Oktober, 2014

    Liebe Kletterinnen, liebe Kletterer,
    im Zusammenhang mit diesem tragischen Unfall möchten wir über den Unfallhergang informieren.

    unfallneuAm Sonntagnachmittag kletterte eine 45-jährige Kletterin mit ihrem Mann an den 14 Meter hohen Wänden der neuen Halle im Toprope. Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde das Seil zwar mit einem Einbindeknoten (gesteckter Achterknoten) mit dem Gurt verbunden,jedoch wurde der Knoten nicht vollständig nachgefädelt. Damit war der Knoten nicht korrekt geknüpft. Siehe Beispielbild rechts.

    Nach Erreichen des Umlenkpunktes wurde das Seil zum Ablassen belastet. Der unfertige Knoten hielt kurz, bevor sich das Seil vom Gurt löste und die Kletterin ungebremst auf den Boden fiel. Trotz der sofort eingeleiteten Notfallmaßnahmen und des innerhalb von Minuten herbeigeeilten Notarztes konnte das Leben der Kletterin leider nicht mehr gerettet werden. Den Ehemann der Verunglückten trifft nach den Ermittlungen der Polizei keinerlei Verschulden.

    Die Kletteranlage besteht seit dem Jahr 1989 und seit dieser Zeit wurden Abermillionen von Einbindeknoten richtig geknüpft. Bis zu diesem Tag gab es keinen Einbindefehler mit einem (uns bekannten) daraus resultierenden Absturz.

    Aber – kennen wir nicht alle diese Situation beim Einbinden? – gerade die „alten Hasen“, für die Klettern nichts „Gefährliches“ mehr hat und eher zur Routine geworden ist, müssen sich immer wieder daran erinnern, dass man achtsam bleiben muss. Eine Ablenkung im falschen Moment oder ein schlechter Tag, an dem man dem Sport nicht mit voller Aufmerksamkeit nachgeht, kann fatale Folgen haben.

    Deshalb möchten wir Euch anlässlich dieses sehr tragischen Ereignisses nochmals an den Partnercheck erinnern. Im Kletterzentrum findet ihr am Einstieg der Wände und am Boden viele Hinweise auf die doppelte Kontrolle – den Partnercheck. Lest bitte hierzu den nachfolgenden Text von Dieter Stopper!

    In der Presse wurde in den letzten Tagen diskutiert, ob der Besitz eines Kletterscheins für den Zugang zu Kletterhallen verpflichtend sein soll. Dieser Unfall und zahlreiche andere Unfälle hätten dadurch nicht vermieden werden können. Auch die Statistik des DAV zeigt bei Kletterunfällen keinen überproportional großen Anteil an Kletteranfängern. Deshalb sind die Fachleute des Alpenvereins derzeit der Meinung, dass eine solche Zugangsvoraussetzung die Sicherheit in Kletterhallen nicht erhöhen würde. Bisher entsteht eher der Eindruck, dass die ganz überwiegende Anzahl der Kletterunfälle wegen Nachlässigkeit oder Unaufmerksamkeit geschieht.

    Wir würden uns wünschen, dass beim Klettern der Partnercheck und aufmerksames Sichern eine Selbstverständlichkeit sind. Wir bedauern diesen tragischen Unfall sehr und hoffen, dass das sehr traurige Ereignis zumindest dazu führt, uns allen erneut bewusst zu machen, dass wir das Leben unseres Seilpartners und unser eigenes Leben in der Hand halten.

    Menschen machen Fehler, jeder und immer wieder. Deshalb Partnercheck, jeder und immer!

    (Ein Beitrag von Dieter Stopper)

    Der Unfall am Sonntag, den 05. Oktober dieses Jahres im DAV Kletter- und Boulderzentrum München-Süd zeigt uns Kletterern und Sichernden wieder, dass auch das kleinste Risiko erbarmungslos und furchtbar zuschlagen kann. Eine von Freunden und ihrer Familie geliebte und von Bekannten geschätzte Kletterin ist aus der Mitte des Lebens gerissen worden. Der unmittelbare Grund hierfür war ein Einbindefehler. Einbindefehler kommen selten vor, sehr selten. Das Risiko ist gering. Jeder von uns Kletterern und Sichernden ist bereit, mit einem – auf den ersten Blick – sehr kleinen Risiko zu leben und zu klettern.

    Der Spruch: „Das Leben ist nun mal lebensgefährlich!“ kommt uns locker über die Lippen. Dennoch sollte sich jeder Kletterer die Frage stellen, ob er wirklich bereit ist, die Folgen des Restrisikos zu akzeptieren, wenn diese eintreffen?

    Bin ich bereit zu akzeptieren, durch einen kleinen Flüchtigkeitsfehler mein Leben zu verlieren? Bin ich bereit zu akzeptieren, dass mein Kletterpartner neben mir ungebremst auf den Boden knallt und sich dabei schwerst verletzt oder stirbt? Bin ich bereit zu akzeptieren, dass der Kletternde auf mich als Sichernden stürzt und mich dabei schwerst verletzt oder tötet?

    Dürfen Flüchtigkeitsfehler beim Einbinden einfach nie passieren!? Es gibt umfassende Studien und Untersuchungen mit und an Menschen, die das Folgende völlig zweifelsfrei belegen: Menschen machen Fehler, jeder und immer wieder! Die Fehlerhäufigkeit hängt bei den Tests davon ab, wie einfach oder komplex die Aufgaben sind, ob die Menschen die Lösung schon kennen und ob sie zudem unter Stress gesetzt werden. Ist die Aufgabe einfach, die Probanden stehen nicht unter Stress und wissen, wie die Aufgabe zu lösen ist, dauert es länger, bis der erste Fehler passiert. Null Fehler gibt es dauerhaft nie! Die Forderung, dass sich Kletterer eben immer fehlerfrei einbinden müssen, ist nicht die Lösung, sondern schlicht unmöglich zu erfüllen. Menschen machen Fehler, jeder und immer wieder!

    Wie stellen wir Kletterer und Sichernde nun sicher, dass ein Flüchtigkeitsfehler beim Einbinden nicht zum Tod oder zu Verletzungen führt? Partnercheck! Vor dem Losklettern bereitet sich der Sichernde auf das Sichern und der Kletterer auf das Klettern vor und überprüft dann jeweils die Handlungen des anderen. Der Sichernde überprüft unter anderem, ob der Kletternde sich mangelfrei eingebunden hat. Der Kletterer überprüft unter anderem, ob der Sichernde das Seil richtig in das Sicherungsgerät eingelegt hat. Und beide überprüfen, ob das Seilende verknotet ist. Überprüfen hat nichts mit einem nachlässigen Blick zu tun, sondern jeder der Seilschaft steht dafür ein, einen immer möglichen Fehler beim Partner aufzudecken und damit Leib und Leben der Seilschaft zu schützen. Aus meiner Sicht zeigt der regelmäßig und sorgfältig durchgeführte Partnercheck, dass diese Kletterer und Sichernden verstanden haben, dass wir Menschen Fehler machen, jeder und immer wieder. Partnercheck steht also für die Bereitschaft, füreinander Verantwortung zu übernehmen.

    Der tragische Tod der Kletterin bestärkt und ermahnt mich zu der gewissenhaften Durchführung des Partnerchecks, um einen jederzeit möglichen Fehler meines Kletterpartners vor dem Kletterstart zu erkennen und zu korrigieren. Hierfür bin ich bereit, den Partnercheck akustisch anzusprechen „Partnercheck!“ und falls notwendig auch Hand anzulegen – z.B. bei der Überprüfung, ob das Seil richtig in das Sicherungsgerät eingelegt ist. In Zukunft werde ich noch vehementer verlangen, dass meine Kletterpartner auch bei mir den Partnercheck gewissenhaft durchführen. Ich übernehme Verantwortung für meinen Partner und verlange das Gleiche von ihm oder ihr! Deshalb Partnercheck, jeder und immer!

    11.10.2014 Dieter Stopper, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kletterunfälle, www.alpingutachten.de

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