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  • Bouldern[1]

    Als eine der ersten Boulderer lässt sich sicherlich eine Gruppe junger Alpinisten um den Franzosen Pierre Allain bezeichnen, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts die im Wald liegenden Sandsteinfelsen bei Paris (Fountainbleau) nutzten, um sich auf ihre Expeditionen in den Alpen vorzubereiten. In dieser – später auch als „Bleausards“  – bezeichneten Gruppe entwickelte sich erstmals eine Leidenschaft zum Klettern in Absprunghöhe, welche die instrumentelle Sicht auf das Bouldern als Trainingsmittel in den Hintergrund stellte.

    Ein weiterer wichtiger Einfluss auf die Entwicklung des Bouldern lässt sich in den USA in Verbindung mit dem Namen John Gill finden. Gill, der hauptberuflich als  Universitätsprofessor für Mathematik arbeitete, betrieb das Klettern an Felsblöcken anfänglich ebenfalls nur zu Trainingszwecken für seinen eigentlichen Sport, das Ringturnen. Gill entwickelte in den 1950er und 1960er Jahren durch den Einsatz von Elementen aus dem Geräteturnen neue Klettertechniken, die den Sport bis heute prägen. Er wendete sich von der bis dahin geltenden „Drei-Punkt-Regel“ ab, nach der beim Klettern von den vier Haltepunkten immer drei mit dem Fels in Kontakt sein sollten. Gill schuf dadurch einen wesentlich dynamischeren Bewegungsstil und somit eine völlig neue Art der Kletterei. Dieses neue athletisch – akrobatische Verständnis wird auch darin deutlich, dass er das Bouldern bis heute eher als einen Zweig des Turnens als des Bergsteigens sieht. John Gill entdeckte über den Mittel-zum-Zweck – Gedanken seine Liebe zum Bouldern und gilt heute weithin als Vater des modernen Boulderns.

    Als deutscher Vorreiter des Boulderns machte sich der Nürnberger Wolfgang „Flipper“ Fietz in den 70er und 80er Jahren in der Kletterszene einen Namen. In einer Zeit in der Bouldern bei uns noch als „Angsthasenkletterei“ belächelt wurde widmete sich Fietz neben dem traditionellen Klettern immer mehr dem bodennahen Klettern, insbesondere in der Fränkischen Schweiz. Auf einer Reise zusammen mit Kurt Albert ins Yosemite Valley (USA) lernte er auch John Gill kennen. Geprägt durch diese Bekanntschaft gelang es „Flipper“ erstmals mittels gezieltem Maximalkrafttraining Boulderklassiker wie „England grüßt Falkland“ (7b+) oder „Fall out“ (7a+) zu schaffen und in der Szene international bekannt zu werden.

    Nach wie vor kommt dem Bouldern aufgrund seiner hohen technischen und konditionellen Anforderungen eine große Bedeutung als Trainingsmöglichkeit zu, um sich auf schwere Kletterrouten professionell vorzubereiten. Darüber hinaus hat sich das Bouldern mittlerweile zu einer eigenständigen Sportart entwickelt.

    Diese Entwicklung lässt sich beispielhaft an steigenden Verkaufszahlen bei Boulderartikeln, der wachsenden Zahl an Boulderhallen sowie den mittlerweile in ganz Deutschland durchgeführten Boulderwettkämpfen beobachten. Nahezu keine neu erbaute Kletterhalle kommt inzwischen mehr ohne eigenen Boulderbereich aus. Hier im DAV Kletter- & Boulderzentrum München wurde diese Entwicklung schon frühzeitig erkannt. Bereits 1989 wurde mit der Betonkletteranlage ein Grundstein gelegt und im Jahre 1999 folgte mit dem Bau der Kletterhalle eine weitere Optimierung des Boulderangebots. Mit der nun erbauten Erweiterung wird der steigenden Beliebtheit des Boulderns Rechnung getragen. Wir freuen uns nun eine beheizte und belüftete Boulderhalle mit viel Licht und Luft in zeitgemäßem Design zur Verfügung stellen zu können und unsere Boulderfläche damit auf insgesamt 1.200 m2 auszuweiten.

    Die Betonung des Themas Bouldern in unserem Neubau richtet sich in besonderer Weise an die Jugend, denn gerade Jugendliche besitzen eine hohe Affinität zum Bouldern.  Bouldern wirkt auf Jugendliche oft cooler, schneller und kommunikativer als das herkömmliche Klettern. Die kurzen Kletterwege lassen dabei mehr kommunikatives Miteinander zu. Gemeinsam mit Freunden und anderen anwesenden Boulderern versucht man gemeinsam Problemstellen zu bewältigen und motiviert sich dabei gegenseitig. So wird Bouldern für Jugendliche zunehmend zum Gruppenerlebnis.

    Dieses gesteigerte Interesse von Jugendlichen zeigt sich sehr schnell, wenn man die  stetig wachsende Zahl an jugendlichen Teilnehmern bei Boulder-Cups betrachtet.
    So entdeckte der DAV die Sportart als wirkungsvolles Instrument der Nachwuchsförderung. Ebenso integrieren viele Schulen mittlerweile das Bouldern in den Sportunterricht. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass das Bouldern ohne größeren Ausrüstungsaufwand und Sicherungsvorkenntnisse auch im engen Rahmen des schulischen Lehrplans unterzubringen ist. Dass die Bewegung dabei in einer sicheren Umgebung, nicht zu hoch über dem Erdboden, stattfindet unterstützt diese Entwicklung sicherlich.

     Bouldern boomt. Die Entwicklung hat erst begonnen. Wohin die Reise geht ist schwer abzuschätzen.


    [1] Quellen:

    –        http://de.wikipedia.org/wiki/Bouldern

    –        http://de.wikipedia.org/wiki/John_Gill

    –        http://boulderism.de/bouldern/hall-of-fame-frankenjura.html

    –        http://boulderism.de/bouldern/boulderappell-frankenjura.html

    –        http://en.wikipedia.org/wiki/Pierre_Allain

    –        http://en.wikipedia.org/wiki/Fontainebleau_rock_climbing

    –        http://www128.pair.com/r3d4k7/Bouldering_History1.0.html